Ernährungsräte fordern Ernährungswende

Köln, 5. April 2020
Vietnam hat vergangene Woche den Export von Reis gestoppt, um in diesen unsicheren Zeiten zunächst die Versorgung der eigenen Bevölkerung zu sichern. Werden weitere Länder folgen? Mehr als die Hälfte der Lebensmittel in Deutschland wird importiert.

Jetzt zeigt sich, dass es hoch riskant ist, dass wir uns immer mehr auf den Weltmarkt verlassen, und immer weniger regionale Lebensmittel essen. Nur 10 Prozent der Angebote im Einzelhandel kommen noch aus der Region, 90 Prozent hängen von der „Just in Time“ Logistik der Großhändler und Importeure ab.

Zahlreiche Ernährungsräte aus dem deutschsprachigen Raum fordern deshalb den Aufbau eines krisensicheren Ernährungssystems: Versorgungssicherheit in Zeiten der Corona-Krise durch regionale und ressourcenschonende Landwirtschaft.

In der Krise treten die Schwachpunkte des derzeitigen Ernährungssystems deutlich hervor. Globale Produktions- und Lieferstrukturen sind anfällig für Störungen. Ein Vulkanausbruch in Island, der den Flugverkehr lahmlegt, kann ebenso wie eine Pandemie oder ein Handelskonflikt die Lieferketten unterbrechen.

Gleichzeitig bestehen bereits gravierende Krisen, die ebenfalls einen drastischen Wandel in der Art wie wir Lebensmittel produzieren und konsumieren erforderlich machen: Die Klimakrise, das Artensterben, der zu hohe Einsatz von Antibiotika, Pestiziden und künstlichen Düngemitteln in der Landwirtschaft, die großflächige Zerstörung von Lebensräumen wie z.B. Regenwäldern zum Anbau von Futtermitteln sowie der Verlust an Bodenfruchtbarkeit und Wasserreserven nehmen zu und stellen eine noch ungleich größere Bedrohung für die Lebensmittelerzeugung dar, als die aktuelle Corona-Krise. Nicht zuletzt gehören ernährungsbedingte Krankheiten zu den größten Belastungen der Gesundheitssysteme in Deutschland und weltweit.

Eine stärkere Versorgung aus regionalem und ökologischem Anbau und gemeinschaftlich getragene Versorgungsstrukturen in der Region könnten mehr Resilienz in Krisensituationen schaffen und durch lokale Wertschöpfung Wirtschaftsbetriebe vor Ort stärken. Diese Formen der Landwirtschaft gilt es jetzt zu unterstützen. Wenn zurzeit die großen Rettungspakete geschnürt werden, dann darf die Frage der sicheren Ernährung nicht unter den Tisch fallen.

Daher fordern wir Ernährungsräte: Ernährungswende jetzt!

Pressekontakte:
Dr. Richard Bartels, Tel. 0175 73 13 824
Jürgen Müller, Münchner Ernährungsrat, Tel. 0177 56 78 942
Valentin Thurn, Ernährungsrat Köln + Umgebung, Tel. 0163 54 89 353 Sabrina Gerdes, Ernährungsrat Leipzig, Tel. 0174 19 90 903
Joerg Weber, Ernährungsrat Frankfurt, Tel. 0172 65 28 986

Produkt des Monats: Frühlingszwiebelsuppe

Rezept für 4 Personen

Zutaten:
2 Bund Frühlingszwiebeln
2 Knoblauchzehen geschält
1 El Butter
2 EL Mehl
1 Tl Zucker
¾ L Gemüsebrühe
150 ml Sahne
2 Tl Zitronensaft
1 Tasse „Grünes“, z. B. Kresse, Giersch, Barbarakraut, Radieschenblätter – Seien Sie experimentierfreudig …

So wird´s gemacht:
Frühlingszwiebel und Kräuter waschen, Frühlingszwiebel in Ringe schneiden und gleich einen EL vom Grün aufheben, Kräuter grob schneiden, Knoblauch fein hacken.
Butter im Topf zerlassen. Die Zwiebeln mit dem Zucker andünsten. Knoblauch dazu geben, gut rühren damit der Knoblauch nicht braun wird. Mehl darüber stäuben und verteilen.
Unter Rühren die Brühe aufgießen, zum Kochen bringen und die Suppe ohne Deckel ca. 10 Minuten kücheln lassen. Sahne in die Suppe rühren. Die restlichen Frühlingszwiebel und die gehackten Kräuter einrühren.
Mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer abschmecken. Dazu passt frisches Brot.

Warenkunde
Lat. Name Allium fistulosum, Zwiebelart mit mild-würzigem Geschmack, die keine richtige Zwiebel ausbildet, sondern nur bauchig verdickte Wurzeln besitzt. Sie wird nicht nur im Frühling, sondern das ganze Jahr über angeboten und mitsamt den langen, schmalen, hohlen, grünen Blättern verzehrt. Roh eignet sie sich zur Verfeinerung von Quark und Salaten, geschmort oder gekocht als Zutat zu Gemüse- und Fleischgerichten. Die Frühlingszwiebel ist reich an Betakarotin, Vitamin C, Eisen, Folsäure und Zink. Wegen ihres hohen Wassergehalts hält sie sich nur 5-6 Tage. Am besten im Gemüsefach des Kühlschrankes lagern.

Offene Konferenz „Ernährungsdemokratie zum Anpacken“ war ein voller Erfolg

120 Engagierte tauschten Erfahrungen aus und vernetzten sich

Am 29.02. und 01.03.2020 fand im Bonner Friedrich-Ebert-Gymnasium die Konferenz „Ernährungsdemokratie zum Anpacken – gemeinsam lernen, gemeinsam genießen, gemeinsam gestalten“ statt, zu der der Stadt.Land.Markt. e. V. in Kooperation mit der Bio-Stadt Bonn und der Initiative zur Gründung eines Ernährungsrats für Bonn und Umgebung eingeladen hatte.

Gekommen waren rund 120 Ernährungsengagierte aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. In zahlreichen Workshops tauschten diese ihre Erfahrungen aus, wie sich die Lebensmittelversorgung auf kommunaler Ebene „von unten“ beeinflussen und so entlang der gesamten Wertschöpfungskette nachhaltiger gestalten lässt.

Die Pressemitteilung finden Sie hier:

Ernährungsrat im BR-Fernsehen

Der Bayerische Rundfunk hat im Rahmen der Sendereihe #BayernReise auch den die Stadt bzw. den Landkreis Fürstenfeldbruck besucht. Dabei wird auch der Ernährungsrat vorgestellt.

Die Sendung ist am Donnerstag den 27. Februar 2020 um 18 Uhr zu sehen. Danach wird die Sendung in der Mediathek zu sehen sein und wird via BR24 in Web und App sowie durch Ankündigungen auf Twitter & Instagram sowie in den Hörfunkausgaben begleitet .